Unser Projekt WIR entstand im Rahmen des "WIRgremiums- Vielfalt stärkt" bei BIG (Beratung Inklusion Gesundheit) pro juventa.

Das "WIRgremium- Vielfalt stärkt" besteht seit Anfang 2015 aus ehrenamtlich engagierten Frauen aus Marokko, dem Iran, der Türkei, Kamerun und Peru mit dem Ziel Frauen und Mädchen mit Migrationsgeschichte besser mit den Angeboten von BIG erreichen zu können. Die Frauen bringen sich mit ihren Ideen und Wünschen und viel Herzblut bei BIG ein und gestalten das Programm und die Angebote mit.

Im WIRgremium entstand Ende 2015 der Wunsch gezielt auf die neuangekommenen Frauen in den Reutlinger Flüchtlingsunterkünften zuzugehen. Die Arbeit mit geflüchteten Frauen und ihren Kindern entwickelte sich daraufhin im Laufe des Jahres 2016 innerhalb kürzester Zeit sehr dynamisch weiter, so daß bald spürbar wurde, daß die besonderen Bedürfnisse von Geflüchteten den Rahmen dessen was BIG leisten kann, sprengen. Die Projektleiterinnen von BIG entwickelten daraufhin gemeinsam mit dem WIRgremium und der Geschäftsführung von pro juventa ein Konzept für ein weiteres Frauenprojekt mit dem Namen WIR- Welcome in Reutlingen. WIR konnte Anfang Dezember 2016 dank der Förderzusage von Aktion Mensch und der Baden Würrttemberg- Stiftung die bereits bestehenden Angebote ausbauen und vielerlei neue Angebote entwickeln. In beiden Projekten konnte aufgrund einer neuen Personalsituation jeweils eine ehrenamtliche WIRgremiums- Mitarbeiterin hauptamtlich in das jeweilige Team integriert werden.

Ein Herzstück von WIR war das WIRcafé, bei dem geflüchtete Frauen aus aller Frauen Länder Frauen begegneten, die schon immer oder schon längere Zeit in Reutlingen leben. Geflüchtete Frauen finden häufig nicht den Weg in die bestehenden Asylcafés, da sie von sehr vielen Männern besucht werden. Manche Frauen fühlen sich deshalb nicht wohl, andere dürfen von ihren Männern aus nicht teilnehmen. Mit dem Angebot WIRcafé bot WIR eine Anlaufstelle speziell für Frauen. Nach Möglichkeit waren immer Übersetzerinnen anwesend und es wurde dennoch deutsch geübt. Im geschützten Rahmen konnten darüberhinaus neue Kontakte geknüpft und Fragen gestellt werden. Und last but not least konnten die Frauen einfach in netter Atmosphäre einen Tee oder Kaffee miteinander trinken. 

Neben den Offenen Treffen bot WIR auch viel Einzelfallbegleitung wie niederschwellige Beratungsangebote und aufsuchende Arbeit an. Je länger die Frauen schon Besucherinnen bei WIR waren, desto größer wurde ihr Vertrauen sich mit Fragen an uns zu wenden und sich Hilfe zu holen. Auch bei für sie schwierigen und heiklen Themen.

WIR kooperierte mit den ehrenamtlichen Unterstützer/innen und den sozialpädagogischen Fachkräften in den Unterkünften und nahm Wünsche und Anregungen der Helfenden, sowie der Geflüchteten auf. Als Projekt in Trägerschaft eines Jugendhilfeträgers hatte WIR neben den Müttern auch ganz besonders den Bedarf der in den jeweiligen Familien lebenden Kinder im Auge und begleitete bei Bedarf in eine Jugendhilfemaßnahme oder in eine Beratungsstelle.

Neben den fortlaufenden Kursen, die die Frauen über das BIG- Programm mitnutzen konnten gab es spezielle Kursangebote, wie traumasensibles Yoga, Progressive Muskelentspannung, Qi Gong oder TRE (Trauma Releasing Exercises) und etliches mehr.
Darüberhinaus  fanden spezifische Gruppenangebote für Geflüchete statt. Sprachhomogene Gesprächskreise mit Übersetzerinnen, bei denen es bspw. um die neue Lebenssituation der Frauen und ihren Möglichkeiten in Deutschland ging oder unser Interkulturelles Singen und Kochen sollte den Frauen die Möglichkeit geben Bekanntem wiederzubegegnen und es einzubringen, aber auch Neuem zu begegnen. Mit Frauen aus vielerlei Kulturkreisen gemeinsam etwas zu tun machte uns allen ausserdem Spass und förderte unser aller Toleranzbereitschaft.

WIR sah sich in allen seinen Angeboten als Ort, der belasteten Frauen mit Fluchterfahrungen und mehr und mehr auch geflüchteten Kindern ein ressourcenorientiertes Setting bot, das zur Beruhigung und Stabilisierung der Betroffenen beitrug.